Freitag, 19. Mai 2017

„m-buddhist“ – was ist das?

„m-buddhist“ meint sowohl „I’m a buddhist“ als auch „modern/moderner Buddhist“.


Der Buddhismus hat sich in den vergangenen zwei, drei Generationen dynamisch den Weg in den Westen gebahnt. Wieder einmal trifft der Buddhismus nun auf eine ihm fremde Kultur. Wie schon so oft in der Vergangenheit. Im Tibet des 5. und 8. Jahrhunderts n.u.Z. begegnete der Buddhismus beispielsweise der schamanischen Bön-Religion oder in China ab dem 5. Jahrhundert n.u.Z. der Philosophie des Taoismus. Es entstand jeweils etwas Neues. Der Buddhismus verband sich mit den vorgefundenen Kulturen. In Tibet wurden eine ganze Reihe sehr eigener buddhistischer Schulen geboren. In China entstand der Chan in seinen verschiedenen Ausprägungen, der später in Japan (etwa ab dem 12. Jahrhundert n.u.Z.) Zen genannt wurde.

Im Westen geschieht zurzeit Ähnliches. Unsere Kultur wurzelt einerseits in den antiken Philosophien der Geistesgrößen wie Heraklit, Sokrates, Platon und Aristoteles bis hin zu Marc Aurel und Epikur. Andererseits wurde ihr vom Christentum eine Form gegeben. Heute ist unsere Kultur tief von der Aufklärung geprägt, die bereits im frühen 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm. In deren Mittelpunkt steht das rationale Denken. Die Vernunft ist uns durch die Aufklärung zur universellen Urteilsinstanz geworden. Mit ihr verankerten sich Werte wie Toleranz, Emanzipation und Menschenrechte. Dies konnte nur gelingen, indem angestammte Anschauungen und Ideologien radikal infrage gestellt wurden. Der Buddhismus – eine antike östliche Religion – trifft nun im Westen auf eine durch das Vertrauen auf die empirischen Wissenschaften durchdrungene Kultur. Zu ihrem Wesen gehört das positive Misstrauen, das Nicht-einfach-glauben-Wollen und der Wunsch zu hinterfragen.

Der Buddhismus begegnet also einem Geistesleben, das kraftvoll dekonstruieren kann und will. Auf der anderen Seite zeigt sich der Buddhismus als lebhafte spirituelle Weltanschauung, die nicht nur behauptet, dass sie zur individuellen Befreiung taugt, sondern dies auch zeigen kann. Im Schlepptau des Buddhismus: eine eigene reiche 2.500-jährige Tradition. Aus dem Zusammentreffen zwischen westlicher Kultur und Buddhismus wird – wie schon in Tibet oder im Chan/Zen – etwas Neues erwachsen. Es ist ein spannender Prozess, der noch ganz am Anfang steht. Ein Prozess, der zudem eine Besonderheit aufweist, die in der Geschichte einzigartig ist: Erstmals finden sich alle wichtigen (noch aktiven) buddhistischen Traditionen nach jahrhunderte langer Isolation im Westen nebeneinander wieder. Ein Weg des Miteinanders, des Wachsens, der Metamorphose liegt vor ihnen. Und genau diesen Weg will der vorliegende Blog konstruktiv begleiten.

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